Judentempel mit Schule am Grieskai um 1900 © Stadtarchiv Graz

Graz Museum Sackstraße | Mai 2022

Jüdisches Leben in Graz von 1147 bis heute

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Kultusgemeinde Graz

Die Ausstellung im Graz Museum wird sich mit der größten Jüdischen Gemeinde in der Steiermark und ihren kulturellen und wirtschaftlichen Positionen in der Stadt beschäftigen. Sie reicht zeitlich von der ersten urkundlichen Erwähnung von Judendorf bei Straßengel 1147 bis zu den jüngsten Festen und Feiern in der Grazer Synagoge. Es ist dies die erste Ausstellung eines öffentlichen Museums in der Steiermark, die sich explizit mit jüdischer Kultur und Geschichte befasst.

Der historische Bogen spannt sich von der Ansiedlung im Mittelalter über die erste Grazer Judenvertreibung und Auflösung der zentral gelegenen Wohnviertel unter Herzog Friedrich V, 1437/38, die zweite Vertreibung unter Maximilian I, 1496/97, die daran anschließende lange Zeit der „Judensperre“, die erst seit dem späten 18. Jahrhundert und schließlich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts allmählich wieder von einer jüdischen Gemeinde mit religiöser, ritueller und kultureller Infrastruktur abgelöst wurde.

1880 zählte die Israelitische Kultusgemeinde 1.200 Mitglieder, 1892 wurde die erste repräsentative Synagoge der Grazer Gemeinde eingeweiht. Begleitet wurde die stete Weiterentwicklung der Gemeinde jedoch auch von einer Zunahme des politischen und kulturellen Antisemitismus seit den 1890er-Jahren. Ab dem Ersten Weltkrieg radikalisierte sich dieser und mündetet schließlich im Novemberpogrom 1938, der „Arisierung“ von Betrieben, der Vertreibung und Ermordung der Grazer jüdischen Bevölkerung.
Trotz der vollständigen Vernichtung durch die Nationalsozialist*innen kehrten nach 1945 einige Familien in ihre Heimat Graz zurück und widmeten sich dem erneuten Aufbau einer jüdischen Gemeinde, der seinen sichtbaren Ausdruck schließlich in der Wiedererrichtung der Synagoge im Jahr 2000 erhielt.

Die Ausstellung rückt das Lebendige und Vielfältige des jüdischen Lebens in Graz vom Mittelalter bis zur Gegenwart ins Zentrum. Grazer jüdische Kultur und Geschichte wird in einer an Themen und Fragen orientierten Struktur einem breiten Publikum vermittelt. Erklärtes Ziel der Ausstellung ist es, dass sie von möglichst allen Grazer Schüler*innen ab der siebten Schulstufe besucht wird.

Wissenschaftliche Leitung: Prof. Gerald Lamprecht (Centrum für Jüdische Studien Graz)
In Zusammenarbeit mit der Jüdischen Kultusgemeinde Graz

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