Wir sammeln heute für morgen

Hoffnung © Emil Gruber

Graz in Zeiten von Corona
Das Graz Museum setzt sich als kulturhistorisches Museum der Stadt Graz sowohl mit der Geschichte als auch mit der Gegenwart der Stadt auseinander. Wir verstehen uns als offener Ort einer urbanen Zeitgenossenschaft, des Miteinanders und des Austausches über die Stadt und in der Stadt. Unser Museum ist durch eine Vielfalt an Formaten – mit Ausstellungen, mit Veranstaltungen, mit Sammlungs- und Forschungstätigkeiten, mit digitalen Aktivitäten – für alle da.
Was aber tun in Zeiten, in denen die sonst für alle offenen Museumstore geschlossen bleiben müssen? Die Corona-Pandemie bedeutet für das Graz Museum die noch nie dagewesene Herausforderung, die durch uns vermittelte Begegnung der Besucher*innen mit Stadt und Geschichte über den persönlichen Kontakt hinaus aufrecht zu halten. Unsere digitalen Angebote wie Postkartensammlung GrazMuseum Online, Schau Graz! digital, die digitale Dauerausstellung 360 GRAZ digital und die topothek Graz bieten unseren Besucher*innen von Zuhause aus die Möglichkeit, unser Museum virtuell zu besuchen und unsere Ausstellungen und Stadtthemen zu erkunden.

Sammlungsaufruf Corona: Dokumente der Gegenwart für morgen
Darüber hinaus eröffnen wir eine Plattform für den aktuellen Diskurs und das Zeitgeschehen in der Stadt und starten eine Sammlung aktueller Zeugnisse rund um „Corona“. Wir bitten die Bevölkerung von Graz, uns an ihren Eindrücken teilhaben zu lassen, um diese mit Museumskompetenz zu dokumentieren und um zukünftigen Generationen Erinnerung und Wissen mitzugeben. Wir wollen erfahren, auf welche Weise die Grazerinnen und Grazer von der Krise betroffen sind und wie sie diese erleben. Wie hat sich das Leben der Menschen in der Stadt verändert? Wie hat sich die Stadt verändert? Was für ein Bild zeigen die Straßen und Plätze? Welche Atmosphäre herrscht in der Stadt? Wie wichtig ist die Öffentlichkeit und welche Bedeutung hat das Private? Wie hat sich die Beziehung der Menschen zu ihren „eigenen vier Wänden“ gewandelt? Welchen Stellenwert hat die persönliche Begegnung mit anderen? Wie kommunizieren wir miteinander? Wovor haben wir Angst?
Wir suchen Alltägliches und Besonderes, Nützliches und Beiläufiges, Administratives und Persönliches, Erkenntnisreiches und Berührendes – vielfältige Dokumente und Dinge des Lebens in Graz während der Corona-Pandemie. Belege, die Maßnahmen städtischer Entscheidungsträger*innen abbilden, sind uns ebenso willkommen wie persönliche Perspektiven auf die Stadt und ihre Menschen. Die Dokumente und Dinge können unterschiedlichste Materialien und Gegenstände mit Bezug zu Graz sein: Fotos, Infoblätter, Hinweisschilder, Notizen, Plakate, Ton- und Videoaufnahmen, aber auch kreative Statements zur aktuellen Situation in Form von Zeichnungen, Collagen, Modellen u. a. m., die im Zuge der Ausnahmesituation entstanden sind.

Vorerst können wir nur die Abbilder dieser Dokumente in digitaler Form sammeln und bitten somit um die Einsendung eines Fotos an die Adresse meingrazmuseum@stadt.graz.at. Mit der Zusendung verbunden ist die Einverständniserklärung zur Verwendung des Fotos durch das Graz Museum.

Sammlung und Ausstellung: Grazerinnen und Grazer schreiben Geschichte

Längerfristig soll jedoch ein ausgewählter Teil der Einsendungen auch in analoger Form in die Sammlungen des Graz Museum aufgenommen werden. Auf diese Weise wird eine „Corona-Sammlung“ gebildet, die nachfolgenden Generationen einen Rückblick auf diese außergewöhnlich herausfordernde Zeit für die Stadt und die Grazer Gesellschaft ermöglicht. Der erste Rückblick des Graz Museum ist schon nächstes Jahr in Form einer Ausstellung geplant, die ein Jahr danach auf die Ereignisse zurückblicken und aus einer gewissen Distanz und neuen Erkenntnissen heraus, zeigen soll, was war, was sich nachhaltig verändert hat und was vielleicht geblieben ist. Die heutigen Grazerinnen und Grazer sind somit nicht nur Teil der Geschichte, die soeben geschrieben wird, sie sind dazu aufgerufen, selbst daran mitzuschreiben!

Sammlungsteam: Wolfram Dornik, Katharina Mraček-Gabalier, Antonia Nussmüller
Ausstellungsteam: Martina Zerovnik (Chefkuratorin Graz Museum), Emil Gruber (freier Kurator)