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Pharmaziehistorische Sammlung

Im Innenhof des Palais Khuenburg, in dem das GrazMuseum (ehem. Stadtmuseum Graz) beheimatet ist, befindet sich eine pharmaziehistorische Besonderheit – die außergewöhnliche Schausammlung des Apothekenmuseums.

1978 überließ der Apotheker Mag. pharm. Manfred Lang, ehemaliger Inhaber der heute nicht mehr existierenden Grazer „Hirschen-Apotheke“ in der Sporgasse anlässlich der 850-Jahresfeier der Stadt Graz seine private pharmaziehistorische Sammlung der Stadt. Diese Überlassenschaft war mit der Auflage verknüpft, diese öffentlich zugänglich zu machen. Im Palais Khuenberg fand die Stadt Graz noch im selben Jahr geeignete Räumlichkeiten, die pharmaziehistorische Sammlung als Apothekenmuseum zu eröffnen. Seither sind dank der Bemühungen von Mag. pharm. Dr. Bernd Elmar Mader und mit Unterstützung der Steirischen Apothekerkammer viele weitere Exponate und Leihgaben von steirischen Apotheken zum vorhandenen Bestand hinzugekommen.

Das Kernstück jeder Apotheke ist der Verkaufsraum, das so genannte „Dispensierlokal“ oder die „Offizin“. Im Apothekenmuseum wird dieser Raum von einer bemerkenswerten Biedermeiereinrichtung aus Kirschholz beherrscht, die 1835 für die „Maria Hilf-Apotheke“ in Feldbach angefertigt wurde.

In den Nebenräumen befinden sich ein alter Infundierofen mit Trockenschrank, ein großer Eisenmörser, eine große Kräuterwaage mit Gewichten und Gefäße aus der "Stiftsapotheke" in Admont. Weitere Sammelstücke sind ein Destillierapparat, eine alte Tablettenpresse, verschiedene Pillenbretter, Vorrichtungen zur magistralen Herstellung von Ampullen, Weichgelatinekapseln, Oblaten und Eibischteig. Auch alte pharmazeutische Spezialitäten wie „Drachenblut“, Mumienpulver“, „Teufelsäpfel“ oder eine „Vipernschnur“, Rezeptsammlungen, alte Kräuterbücher, Apothekenschilder, Etiketten und Standgefäße für Drogen sind zu entdecken.

Den Besucher/-innen wird durch das alte Raumgewölbe, die antike Einrichtung, den Geruch nach Kräutern und Tinkturen und den vielen sehenswerten Sammlungsexponaten ein bemerkenswerter Einblick in den Alltag einer Apotheke von einst gewährt.

Der Besuch des Apothekenmuseums ist nach Voranmeldung unter +43 316 872 7600 von Mi–Mo, 10–17 Uhr möglich.


Ein Gefäß aus der Apotheke „Zum Granatapfel“

Unter den Porzellangefäßen der Schausammlung in der Apotheke des Graz Museums befindet sich eines, das ganz deutlich auf seine ursprüngliche Herkunft verweist. Es hat auf seiner Schauseite mit einer Gold umrahmt die Aufschrift Calc: Carbinic: praec:. Darüber befindet sich aufgemalt ein farbiger, aufgesprungener Granatapfel mit zwei belaubten Zweigen. Damit war die Herkunft des Gefäßes aus der damals von den Barmherzigen Brüdern verpachteten Apotheke „Zum Granatapfel“ in der Grazer Annenstraße genau bestimmt.

Als im Jahre 1978, anlässlich der 850-Jahrfeier der Stadt Graz der Besitzer der Hirschenapotheke Mag. pharm. Manfred Lang seine Sammlung an Pharmazeutika der Stadt Graz schenkte, erfolgte ein Aufruf der Landesgeschäftsstelle Steiermark, auch andere Apotheken mögen sich, um eine öffentlich Schausammlung zu ermöglichen, sich von nicht mehr in Gebrauch stehenden Objekten zu trennen und diese zur Verfügung zu stellen. So fand dieses Gefäß seinen Weg ins Museum.

Der Ordensgründer der Barmherzigen Brüder hieß Johannes von Gott, der  in Granada 1539  sein erstes Spital gegründet hat. Die Stadt Granada führt in ihrem Wappen einen Granatapfel. Aufgrund des Ortes seiner Gründung führt auch der Orden der Barmherzigen Brüder diesen als Emblem, zusätzlich einem auf dem Granatapfel aufgesetzten Kreuz.

Nun kurz die Geschichte des Ordens in Graz. Wie kam es nun die Brüder hierher und wann erfolgte die  Gründung ihrer Apotheke in der Murvorstadt?

Die Etablierung dieses Ordens in Graz im Jahre 1615 war mit einer Heilung, einer medizinischen Glanzleistung, die vom Guardian der Wiener Ordensniederlassung der Barmherzigen Brüder gemacht worden war, verbunden. Erzherzog Maximilian Ernst (1583–1616), ein Bruder des innerösterreichischen Landesfürsten Ferdinand, des späteren Kaisers Ferdinand II, war so unsachgemäß zur Ader gelassen worden, dass sich sein Arm entzündet hatte und man nur mehr an eine Amputation denken konnte. Man bereitete diese auch vor und berief zu deren Durchführung Fra Gabriele Ferrara (um 1543–1627).

Fra Gabriele war nicht nur ein bedeutender Chirurg, sondern gleichzeitig auch der Guardian der Wiener Ordensniederlassung. Dieser reiste eilends nach Graz. Hier gelang ihm das scheinbar Unmögliche, ohne Amputation heilte er den Arm von Erzherzog Maximilian Ernst. Der Landesfürst erwies nun seine Dankbarkeit und ermöglichte die Gründung eines Konventspitals (1615), welches in den nächsten 20 Jahren auch mit einer eigenen Apotheke versehen wurde.

Diese war somit die erste Apotheke der Murvorstadt, doch es war dann noch ein langer Weg und ein steter Kampf mit den Apothekern der Stadt, bis diese Apotheke ihr Öffentlichkeitsrecht erhielt.

Diplom für ein Produkt der Hirschenapotheke

Das hier wiedergegebene Diplom ist jenes, welches Adolf Fizia 1910 in Brüssel erhalten hat. Adolf Fizia erhielt aber nicht nur Diplome, stets waren damit auch Orden und/oder Medaillen verbunden. Sie sind in der Apothekensammlung des GrazMuseums zu besichtigen. Leider wissen wir nicht genau, für welche Produkte Apotheker Adolf Fizia ausgezeichnet worden war.

Kurz sei hier auf die außergewöhnliche Persönlichkeit von Apotheker Adolf Fizia (1873-1932) eingegangen. Adolf Fizia war geborener Tiroler. (geboren am 30. 3.1873 in Reutte). Seine Tirocinalzeit verbrachte er in Troppau, anschließend studierte er in Graz Pharmazie (Diplom 1893). Er heiratete in die Besitzerfamilie Purgleitner der Hirschenapotheke ein. Ab 1898 leitete er bereits die Apotheke. Mit einer Reihe von hervorragenden Präparaten gelang es ihm den sehr guten Ruf der Hirschenapotheke zu festigen. Das beweisen ja auch die  Auszeichnungen, die er mehrmals erhalten hat.

Als Apotheker war Fizia auch standespolitisch sehr tätig. Er war Gründer des Grazer Apothekenclubs und dessen Vorsitzender seit 1905, Mitbegründer und Vizepräsident der Gehaltskasse der Apotheker und Direktionsmitglied des Pensionsinstituts der österreichischen Pharmazeuten. 1912 wurde er zum Ehrenmitglied des Deutschen Pharmazeutenvereins in Graz.

Große Verdienste erwarb er sich auch in der Politik der Stadt Graz. Von 1917 bis 1919 war er Bürgermeister und von 1919 bis 1929 2. Bürgermeister-Stellvertreter der Steirischen Landeshaupotstadt. Es war eine extrem schwierige Aufgabe zu dieser Zeit die Versorgung der Stadt  mit Lebensmitteln zu gewährleisten. Apotheker Fizia bewährte sich auch auf diesem Gebiet, so dass die Stadt Graz ihn 1931 zum Ehrenbürger ernannte. 1932 stirbt Fizia nahe von Graz. Er wurde am Grazer St. Peter-Stadtfriedhof begraben.   

 

Venetianische Vipernschnur (Cordoni Viperini)

Ein eher selten anzufindendes Ausstellungsstück in unserer Sammlung ist die „echte venezianische Vipernschnur“, auch  „Otter-Schnürlein“ oder lateinisch mit „Cordoni Viperini“ bezeichnet. Es stammt aus der heute nicht mehr bestehenden Grazer Hirschen-Apotheke.

Dieses Objekt besteht aus einer im Originalzustand versiegelten Verpackung und einem kleinen Stück Karton, auf dem eine rotbraune Schnur gewickelt ist. Die Außenverpackung ist so gefaltet, wie dies bei den Briefchen mit Pulverfüllungen geschieht. Außen weist das „Briefchen“ eine hübsche Vignette mit folgendem Wortlaut auf: „Echte Vipern-Schnüre aus Venedig. Näheres in der inliegenden Gebrauchsanweisung“.

Auf der Innenseite der Verpackung ist die Gebrauchsanweisung aufgedruckt. Sie lautet:
„Cordoni Viperini (Otter-Schnürlein). Dieses Schutzmittel, welches durch die glücklichen, erfolgreichen Heilungen von früher her als sehr wirksam in den bösartigsten Krankheiten bekannt war, wurde auch nach vielen gemachten Erfahrungen vorzüglich bei Kopfgicht, Gelbsucht im Gesicht, Rheumatismus, chronischen Halsleiden, hochrothen Rothlauf in den Gelenken und Geschwulsten, für Erwachsene und Kinder bei der gewöhnlichen und gefährlichen häutigen Bräune Wunder wirken, und in allen Schmerzen, die von einer Lokal-Entzündung entstehen, von den ältesten Doctoren, Aerzten und Physikern angewendet. Diese vortrefflichen Schnüre werden um den Hals gebunden und an die leidende Stelle gelegt. Die Echtheit ist das Siegel von außen. Ein Stück 1 fl. 50 kr. Oest. Währ. – In Duzend-Abnahme etwas billiger."

Die Schnur selbst ist 50 cm lang, ihr Durchmesser beträgt etwa 1,5  bis 2 cm. Mehrmals um den Kartonstreifen gewickelt, sind die beiden Enden mittels zweier Einschnitte an diesem festgemacht. Beide Schnurenden weisen einen Knopf auf, die Schnur selbst ist aus einem glatten, spiralig geflochtenen Material.

Um nun den kulturgeschichtlichen Hintergrund der Vipernschnur auszuleuchten, muss man bis in die Antike zurückgehen. Damals wurde immer wieder der Versuch gemacht, ein so genanntes „Alexipharmakon“, ein „Antidotum universale“ - also ein universelles Gegengift - gegen jede Art von Vergiftung zu finden. Solche Gemische nannte man Theriak. In römischer Zeit gab es zwei berühmte Rezepturen, das Mithridatium – benannt nach König Mithridates VI. Eupator, König von Pontus (134 - 63 v. Ch.) und den Andromachischen Theriak, benannt nach Andromachos, dem Leibarzt von Kaiser Nero.

Von den Rezepturen wissen wir, dass Produkte aus dem Tierreich, vor allem solche, die durch bizarre Formen oder ein seltenes Vorkommen ausgezeichnet waren, ferner die verschiedensten Edelsteine, die durch Farbänderungen ein Gift anzeigen sollten und eine Reihe von pflanzlichen Drogen in den Theriak hinein verarbeitet wurden. Der wichtigste Bestandteil für beide Rezepturen war aber Vipernfleisch. Es war die Lebensweise der Schlangen, die dem antiken Menschen stets ein Rätsel war. Vor allem das jährliche Häuten war Anlass zur Spekulation, dass Schlangen weder Tod noch Alter kennen. Das wollte man medizinisch nützen.

Die Theriaktradition der Antike wurde im Mittelalter in Venedig fortgeführt und kam dort zur höchsten Blüte. Der Seemacht Venedig fiel es nicht schwer, sich die ausgefallensten Ingredienzien zu beschaffen und so bei der Theriakerzeugung alsbald eine Monopolstellung einzunehmen. Bereits im 13. Jh. gab es dort Verordnungen, die die Herstellung und den Verkauf von Theriak streng regelten. Wenigstens seit 1600 versorgte Venedig damit Gesamteuropa einschließlich der skandinavischen Länder.

Wenden wir uns nun der Erzeugung von Theriak in Venedig zu. Die Erzeugung war streng geregelt und erfolgte stets öffentlich. Für uns von Interesse war, dass den Vipern zur Weiterverarbeitung der Kopf und das Schwanzstück vier Finger breit abgehauen wurden. Dabei verspritzten die Vipern Blut. Dieses Blut nützte man nun, indem man eine Schnur hineintauchte und diese später, wohl verpackt, als Cordoni Viperini verkaufte.

Einerseits wollte man aus dem Blut der Vipern jene Kraft für sich nützen, worin möglicherweise deren Unsterblichkeit begründet war, andererseits war das Umwinden oder Umgürten einer Krankheit und das spätere Lösen der Umklammerung eine alte Heiltechnik, die bei vielen Völkern und auch in unserer Volksmedizin, man denke nur an das Abbinden von Warzen, bis vor gar nicht so langer Zeit üblich war.

Von Interesse war noch, in welche Art Blut die vorliegende Schnur getaucht worden war. Der Siegel wurde aufgebrochen und ein kleines Stück Schnur dem Gerichtsmedizinischen Institut der Karl Franzens Universität zur Untersuchung übergeben. Das Ergebnis war überraschend. Die rostbraune Farbe der Schnur war nicht durch Eintauchen derselben in Blut, sondern durch Eintauchen in einen Farbstoff entstanden. Das Fälschen von Medikamenten und der Verkauf gefälschter Produkte war offenbar auch ohne Internet schon immer ein gutes Geschäft.

Rezept mit Kontrollmarke

Einen kleinen, nicht alltäglichen Gegenstand, der der Idee eines böhmischen Apothekers entsprungen war, kann man in der pharmazeutischen Sammlung des Stadt Graz Museums auch bewundern. Sein „Erfinder“ war Adolf Vomácka (1856-1919), Apotheker in Leitmeritz (heute tschechisch Litomerice). Es handelt sich um eine Rezept-Kontrollmarke. Sie bestand aus einem medaillonförmigen, aufklappbaren Teil, der am Rezept befestigt werden konnte. Darin befand sich eine Münze mit einer Nummer, die der Kunde, der auf die Herstellung seines Rezeptes nicht warten wollte, bekam. Die Nummer wurde am Rezept vermerkt. Wer immer mit der nummerierten Münze kam, bekam das Rezept ausgehändigt.

Vor Jahren besuchte eine Gruppe tschechischer Kollegen die Museumsapotheke in Graz. Als man ihnen die Kontrollmarke zeigte und auf dessen „Erfinder“ verwies, war vielen  Adolf Vomácka als innovativer Apotheker ein Begriff. Tatsächlich hat er eine Reihe von pharmazeutischen Büchern verfasst, unter anderem das „Taschenbuch bestbewährter Vorschriften für die gangbarsten Handverkaufs-Artikel der Apotheken und Drogeriehandlungen“ (Wien – Pest - Leipzig 1897).

Ein kurzer Blick sein auch noch auf das Rezept geworfen. Es war von Univ. Prof. Dr.  Alexander Rollett (1834-1903) ausgestellt worden. Alexander Rollett studierte in Wien Medizin und übernahm 1863 die erste  Professur für Physiologie und Histologie  an der Medizinischen Fakultät in Graz. Er war viermal Rektor der Universität, zahlreiche Veröffentlichungen liegen von ihm vor.

Besucher/-inneninfos

Öffnungszeiten

Mi-Mo, 10-17 Uhr
(täglich außer dienstags)

Eintrittspreise

Erwachsene: € 5,–
Ermäßigt: € 3,–
Jahreskarte: € 14,–
Freier Eintritt für alle bis 18!
 
Führungen: € 2,–
Abendveranstaltungen: € 5,–
Workshops:
(Schüler/-innen im Klassenverband: € 2,–)
€ 4,–
Kindergeburtstag: € 12,–

Alle angegebenen Preise verstehen sich pro Person.

Freien Eintritt ins GrazMuseum haben...
Der ermäßigte Preis gilt für...

Kontakt/Lage

GrazMuseum
Sackstraße 18
A-8010 Graz
grazmuseum@stadt.graz.at
T +43 316 872-7600

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